Ein Quad für den Wald – klingt erstmal nach der ultimativen Abkürzung für jeden Waldbesitzer, der Bäume fällt, Holz rückt und nebenbei noch den Garten versorgen will. Nach über einem Jahr im täglichen Einsatz zwischen Rückegasse, Kompostanlage und Kartoffelacker weiß ich, was so ein Fahrzeug wirklich leisten kann. Aber ich weiß inzwischen auch ganz genau, wo es nervt, wo es an Grenzen stößt und wo ich mir im Nachhinein gewünscht hätte, vorher gewarnt worden zu sein.
Bevor es an die Schwachstellen geht, muss man fair bleiben: Das Quad hat meine Waldarbeit in vielen Bereichen komplett verändert. Vom Baum, den ich mit der Seilwinde gezielt in die richtige Richtung ziehen kann, bis zum Stamm, den ich einfach hinter mir herziehe, statt ihn mühsam Zentimeter für Zentimeter mit dem Greifzug zu bewegen – die Erleichterung ist enorm. Trotzdem gibt es sieben Punkte, die mich nach einem Jahr Praxis regelmäßig ärgern, und genau die möchte ich hier offen ansprechen.
Wenn die Seilwinde zum Alltagshelfer wird
Die größte Stärke des Quads liegt eindeutig in der Kombination aus Seilwinde vorne und Anhängerkupplung hinten. Bäume, die in die falsche Richtung zu kippen drohen, lassen sich vorab anhängen und gezielt unter Spannung bringen. Hängengebliebene Bäume, früher ein mühsames Geduldsspiel mit Wendehaken oder Greifzug, lassen sich jetzt einfach am Sockel herunterziehen. Und sobald der Stamm entastet und zerteilt ist, wandert er per Bandschlinge an die Anhängerkupplung und wird bequem zur Rückegasse hinausgezogen. Auch abseits der reinen Waldarbeit zahlt sich das Quad aus: Kompost zum Beet fahren, den kleinen Kartoffelacker versorgen, Brennholz nach Hause bringen – vieles davon wäre ohne Anhänger schlicht nicht machbar. Tatsächlich hängt der Hänger bei mir in rund 80 Prozent der Einsatzzeit mit dran, reine Spaßfahrten ohne Arbeitszweck sind die Ausnahme geblieben.
Durstig, mit viel zu kleinem Tank
Der erste echte Kritikpunkt ist der Spritverbrauch. Mit rund 12 Litern auf 100 Kilometer ist das Quad kein sparsamer Begleiter, was angesichts der Arbeit mit Anhänger und viel Stand-Betrieb noch nachvollziehbar wäre. Ärgerlich wird es aber durch den Tank: Mit knapp 18 Litern Fassungsvermögen komme ich keine 200 Kilometer weit, bevor wieder nachgetankt werden muss. Bei einem Fahrzeug, das ohnehin schon viel schluckt, wäre ein größerer Tank die logische Konsequenz gewesen.
Eine Tankanzeige, der man nicht trauen kann
Noch mehr stört mich die Tankanzeige selbst. Das erste von fünf Segmenten hält gefühlt ewig, sodass man in falscher Sicherheit die ersten 70 Kilometer fährt – danach geht es rasant nach unten. Schlimmer noch: Je nach Neigung des Quads springt die Anzeige um zwei Striche nach oben oder unten, und selbst mitten in der Fahrt beginnt sie plötzlich zu blinken, als wäre der Tank leer, nur um an der Tankstelle wieder zwei Striche mehr zu zeigen. Meine Lösung ist inzwischen ein Reservekanister, der ständig im Koffer mitfährt – allerdings auf Kosten des ohnehin knappen Stauraums für Kettensäge und Werkzeug.
Scheinwerfer, die jeden blenden
Punkt vier betrifft die Beleuchtung. Eine Leuchtweitenregulierung gibt es beim Quad nicht, dabei wäre sie dringend nötig: Sobald der Koffer beladen und der Anhänger dran ist, sackt das Heck ab, und die Scheinwerfer blenden praktisch jeden entgegenkommenden Verkehrsteilnehmer. In der Werkstatt lässt sich die Einstellung zwar korrigieren, aber eben nur für den unbeladenen Zustand – für den Alltag mit Zuladung bleibt nur, die Scheinwerfer von vornherein etwas tiefer einzustellen, was zwölf Schrauben und einigen Aufwand erfordert.
Die Gangschaltung am Hang
Fünfter Punkt und offenbar ein bekanntes Problem vieler Quads: Auf ebenem Grund schaltet sich alles butterweich, doch sobald das Fahrzeug am Hang steht, liegt Druck auf dem Getriebe, und Gänge lassen sich kaum noch rein- oder rausbekommen. In meinem steilen Waldgelände ist das ein wiederkehrendes Ärgernis, das ich mir inzwischen mit leichtem Vor- und Zurückwippen oder kurzem Gasgeben und sofortigem Bremsen erarbeite – eine Lösung, die Zeit und Nerven kostet.
Die Sache mit der Anhängelast
Besonders ärgerlich ist der sechste Punkt, weil er rechtlich relevant ist: Die zulässige ungebremste Anhängelast liegt bei diesem Quad in Deutschland bei nur 150 Kilogramm. Wiegt der Anhänger allein schon rund 90 Kilogramm, bleiben für die Zuladung gerade einmal 60 Kilogramm, bevor man offiziell im illegalen Bereich unterwegs ist. Mit gebremstem Hänger sind bis zu 550 Kilogramm Gesamtmasse erlaubt, technisch würde das Quad auch deutlich mehr ziehen können, wie sich abseits der Straße gezeigt hat. Wer hier mehr Spielraum braucht, sollte sich nach Modellen mit höherer zulässiger Anhängelast umsehen, etwa aus der Klasse der schwereren UTVs, die konstruktionsbedingt mehr Reserven mitbringen als die eher leichten CF-Moto-Quads.
Rost an den Schweißnähten
Der letzte und kleinste Punkt betrifft die Verarbeitung: An einigen Stellen des Rahmens, genau dort, wo die Schweißnähte verlaufen, hat sich bei genauerem Hinsehen Rost gebildet – ein bekanntes Thema bei Fahrzeugen aus chinesischer Fertigung. Nach der Behandlung mit einem Antirostspray ist die Ausbreitung gestoppt, doch es zeigt, dass man solche Stellen regelmäßig kontrollieren sollte, statt sich blind auf den Lack zu verlassen.
Trotzdem ein klares Ja
Unterm Strich bleibt das Quad nach einem Jahr harter Waldarbeit ein Gewinn, keine Frage. Aber wer selbst über die Anschaffung nachdenkt, sollte diese sieben Punkte kennen, bevor die Kaufentscheidung fällt – dann gibt es später keine bösen Überraschungen, sondern nur noch die Freude an der Arbeit, die spürbar leichter geworden ist.